Zur Erinnerung an Roland Leistner-Mayer und sein kompositorisches Schaffen für unser Instrument (Heidi Ilgenfritz)

Roland Leistner-Mayer, geboren am 20.02.1945 in Graslitz/Böhmen, war zweifelsohne einer der bedeutendsten Komponisten unserer Zeit. Aufführungen seines umfangreichen Schaffens durch renommierte Ensembles im In- und Ausland, zahlreiche Einspielungen beim Rundfunk und auf CD sowie Kompositionspreise und Auszeichnungen belegen das. Berührende Nachrufe von Christoph Schlüren (YouTube) und Walter Prokop (OVB und nmz) haben es eindrücklich zum Ausdruck gebracht.

Als Roland Leistner-Mayers erste Komposition für Hackbrett entstand, stellten zeitgenössische Werke für unser Instrument noch eine besondere Herausforderung dar. Kamen doch die Hackbrettspielerinnen und Hackbrettspieler, auch die Studierenden des Richard-Strauß-Konservatoriums, vorwiegend aus der alpenländischen Volksmusik und waren gerade erst bei der klassischen Originalmusik für dieses Instrument angekommen. Zeitgenössische Kompositionen für Hackbrett gab es damals noch so wenige, dass wir im Studium die Komponisten und ihre Werke auswendig lernen mussten. Bei einem Fest im Hause ihres gemeinsamen Kompositionslehrers Harald Genzmer lernte Karl-Heinz Schickhaus, der Pionier der Wiedererweckung des Hackbretts als klassisches Instrument, Roland Leistner-Mayer kennen. Er bat ihn, ein Kammermusikstück zur Abschlussprüfung im Konzertfach zu komponieren. Roland kam dieser Bitte nach und komponierte sein Trio op. 85, ein zweisätziges Werk, in dem das Hackbrett in bis dahin kaum gekannter Virtuosität zum Einsatz kommt.

Erstaunlicherweise ist es ihm gelungen, für ein ihm unbekanntes Instrument so zu komponieren, dass trotz der virtuosen Anforderungen alles technisch gut umsetzbar ist. Bei den Proben lernte ich den Komponisten kennen und war erstaunt, wie wenig er an meiner Interpretation auszusetzen hatte. Sein Credo war, dass alles was er zu sagen hatte, im Notentext erkennbar sein muss – das war ihm offensichtlich geglückt.

Dieses Trio führte nicht nur Roland Leistner-Mayer und das Hackbrett musikalisch zusammen, sondern auch unsere Lebenswege und wenig später schenkte er mir sein nächstes Hackbrettwerk, die „Six aveux d’amour“ (Sechs Liebeserklärungen) für Hackbrett-Solo op. 93. Sechs Romanzen in unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad und von unglaublichem Abwechslungsreichtum.

Auf Anregung von Karl-Heinz Schickhaus entstanden zwei weitere Zyklen, die für Kinder und Jugendliche den Hackbrettunterricht bereichern sollten. Zunächst „Auf dem Abenteuerspielplatz“ op. 100 für den Anfängerunterricht. Mit diesen Stücken hat Roland Leistner-Mayer sein großes Geschick bewiesen, auch aus wenig musikalischem Material etwas zaubern zu können. Die dazugehörige, etwas anspruchsvollere Lehrerstimme unterstützt zum einen, aber sie beinhaltet zum anderen – trotz aller Volkstümlichkeit – auch ganz selbstverständlich einige Dissonanzen. Die Idee zu „Eine musikalische Donaureise“, haben Roland und ich gemeinsam entwickelt. Ich habe kurze Gedichte über 9 Stationen entlang der Donau geschrieben, und er hat die passenden Hackbrett-Duos (diesmal für zwei Schüler*innen) dazu komponiert. (Leider sind die Texte inzwischen nicht mehr alle aktuell und müssten eigentlich überarbeitet werden!)

Für uns gemeinsam komponierte er das „Poem VIII“ op. 103, ein dreisätziges, sonatenartiges Werk. Dieses Stück ist auch von Laien gut umsetzbar und wird daher, meist in einzelnen Sätzen, immer wieder in verschiedenen Wettbewerben eingesetzt.

Viele weitere Kompositionen, die ich nicht im Einzelnen aufzählen möchte, sind entstanden. (Wer daran interessiert ist, kann meinen Beitrag zu Rolands Monographie in der Reihe „Komponistinnen und Komponisten in Bayern“ des Bayerischen Tonkünstlerverbands lesen oder auf Rolands Website im Werkverzeichnis stöbern unter: https://www.leistner-mayer.de/werkverzeichnis#zupfinstrumente-hackbrett)

Die Bandbreite ist dabei enorm, weil er je nach Situation für verschiedene Instrumente, Altersgruppen und Schwierigkeitsgrade geschrieben hat.

Auch wenn inzwischen viele zeitgenössische Komponisten das Hackbrett als interessantes und klangschönes Instrument für sich entdeckt haben und man längst nicht mehr alle Kompositionen auswendig wissen kann, haben Roland Leistner-Mayers Werke doch ganz maßgeblich zur Erweiterung des Repertoires für unser Instrument beigetragen!

Im letzten Jahr war Roland zunehmen von körperlichen Maläsen in seiner Lebensqualität und Schaffenskraft eingeschränkt. Eigentlich hatte er mir noch ein Poem für Hackbrett und Klarinette (gedacht für unseren guten Freund Gerald Kraxberger und mich) versprochen. Notizen dazu hat er noch gemacht, aber zur Fertigstellung hat ihm leider die Kraft gefehlt. Am 17. Juni ist Roland verstorben. Seine Musik bleibt uns erhalten und wer weiß – vielleicht schreibt er jetzt für ein himmlisches Orchester – und wenn dem so ist, hoffe ich sehr, dass dort mindestens ein Hackbrett mitspielt.

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Der Hackbrettkomponist Rudi Spring - Ein persönlicher Nachruf von Birgit Stolzenburg